2011 | Kunstblumen, Acrylglas, MDF 

Anlässlich des 200. Geburtstag soll bis 2013 ein neues  Richard Wagner Denkmal in Leipzig entstehen. Die Schwierigkeiten mit dem Wagner Gedenken, illustriert jedoch eine Reihe unvollendeter Monumente die während der vergangenen 100 Jahre entstehen sollten.
Im aktuellen Bauvorhaben nimmt man Bezug auf den ursprünglichen Entwurf von Max Klinger. Dieser entstand zum Anfang des 20. Jahrhunderts und bestand aus 3 Teilen, einer Treppenanlage darin eingefasst ein Sockel, auf dem eine 5 Meter hohe Wagner Statue Platz finden sollte. Aufgrund des vorzeitigen Todes des Künstlers wurde der Entwurf jedoch nicht vollständig umgesetzt, und die Statue blieb unvollendet. Die Treppe wurde zwar am Denkmalsstandort errichtet, den ebenfalls fertig gestellten Sockel platzierte man jedoch nahe dem Wohnhaus des Künstlers. In den 70er Jahren musste die Treppe dann dem Ausbau der Bezirkszentrale der DDR-Staatssicherheit weichen, wurde abgerissen und galt lange als verschollen. Erst nach der Wiedervereinigung wurde Sie auf einer Mülldeponie gefunden und 2010 zusammen mit dem Sockel am ursprünglichen Standort wieder errichtet.
Mit Rückkehr der Treppe stellte sich auch die Frage nach dem Umgang mit dem originalen Entwurf, wobei auch eine vollständige Rekonstruktion im Gespräch war. Schlussendlich entschied man jedoch das Denkmal zu aktualisieren und eine zeitgenössische figurative Position für den Sockel zu entwickeln. Es folgte ein Eingeladener Wettbewerb aus dem der Bildhauer Stefan Balkenhol als Sieger hervorging.
Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit und Recherche bildet eine Fotografie, diese zeigt den Denkmalsstandort besetzt durch einen Blumenkübel. Dieses Bild ist auf mehrere Weisen paradox. Zum einen zeigt die Konstellation ein triviales austauschbares Objekt dem die Authentizität eines Denkmals zugeschrieben wird. Andererseits thematisiert es auch die Loslösung des eigentlichen Sockels vom Denkmalkontext. Durch die Wiederaufführung dieses Bildes entsteht eine Situation die ich als semiotischen Tausch beschreiben würde, ich möchte jedoch keinen eigenen Denkmalsentwurf schaffen. Es ist eher der Versuch Bedingungen und Fragen an ein zeitgenössisches Erinnern zu thematisieren. Damit versteht sich meine Intervention mehr als Selbstreferenz zum Denkmal, die es temporär unterwandert und somit keinen Anspruch auf Authentizität erhebt.

Das Seeting versucht nicht eine Imitation der historischen Bildreferenz zu erzeugen, so wurden keine natürlichen Blumen verwendet sondern Kunstblumen, diese ahmen wiederum keine echten Blumen nach sondern sind reine Fiktion. Die Bepflanzung ragt als ungepflegter Wildwuchs in Teile des historischen Sockels hinein, somit spielt die Arbeit mit verschiedenen Anmutungen, Wertigkeiten und Erwartungshaltungen die man Denkmälern entgegen bringt.
Die Kunstblume steht für mich auch als Metapher für die Festschreibung eines natürlichen Objektes in seinem Idealzustand. Daraus ergibt sich eine Analogie zum Denkmal, welches gleichförmig Generationen überdauert und so einen festgeschriebenen Zustand von Geschichtsbetrachtung konserviert. Dies ignoriert jedoch die Veränderung von gesellschaftlichen Werten und Parametern, denen die Rezeption von Architektur und Gedächtnis unterliegt.
Während der intensiven Recherche zu den Hintergründen des historischen Denkmals, arbeitete ich sehr viel in Archieven und besuchte verschiedene Orte, die mit dem Denkmal in Verbindung standen. Aus diesem Material ist ein Katalog entstanden der die Auseinandersetzung mit zeitgemäßer Erinnerungskultur und städtebaulicher Rekonstruktion weiter vertieft.