2013 | Lackfarbe auf Wand, Inkjetprints, Petition, Kohle

Konzept für einen neuen Gedenkort für die Opfer von NS-Zwangsarbeit

Dem Ort Böhlen kam während der NS-Zeit eine wichtige Rolle als Zentrum der Rüstungsproduktion zu. Es gab mehrere Großunternehmen die kriegsentscheidende Grundstoffe, wie Treibstoffe, Energie und Edelstähle produzierten. Die ansässigen Firmen expandierten vor und während des 2. Weltkrieg sehr stark, dadurch vergrößerte sich ebenfalls der Ort. Um dies zu ermöglichen wurden in den Kriegsjahren massiv Zwangsarbeiter_innen eingesetzt, die in Lagern um Böhlen untergebracht waren und unter menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen ausgebeutet wurden. Es ist ebenfalls bekannt das 1944 ein KZ-Außenlager in Böhlen errichtet wurde. Neben dem Einsatz in der Industrie wurden viele der in Böhlen wohnhaften Zwangsarbeiter_innen im privatwirtschaftlichen Sektor bei Bauern und Handwerkern eingesetzt. Im Zuge des Braunkohleabbaus, während der DDR-Zeit hat sich die Landschaft um Böhlen stark verändert und viele der damaligen Lagerstandorte sind heute nicht mehr sichtbar.

Das Gedenken an diese Zeit ist bis in die Gegenwart eine Leerstelle im Böhlener Stadtbild. Zwar gibt es ein zentrales Denkmal, welches den „Opfern des Faschismus“ gewidmet ist, jedoch keinen Platz der explizit den Zwangsarbeiter_innen gedenkt. Die Schaffung eines solchen Ortes ist unserer Meinung nach jedoch eine Notwendigkeit. Schnell taucht dann aber die Frage auf, wie ein zeitgenössisches Denkmal aussehen kann?

Jede Generation definiert für sich neu, Wie und an Was erinnert wird, die in Böhlen bestehenden Gedenkorte stammen alle aus der DDR-Zeit und orientieren sich damit am entsprechenden Geschichtsnarrativ und Ideologiekanon jener Zeit. Dieser Gedanke von Ewigkeit und „Überdauern“ vergröbert ein historisches Bewusstsein eher, als es entstehen zu lassen, und das Denkmal wird zum Paradoxon. Diesen Widerspruch greift unser Entwurf auf, indem die einzelnen Teile des Denkmals sehr fragil sind und nach kurzer Zeit wieder verschwunden sein werden. Wir können nur für das Jetzt sprechen, der Ort soll nicht dauerhaft durch unsere Geschichtsinterpretation besetzt werden.

Als eine weitere Ebene unseres Arbeitsprozesses haben wir eine Petition in den örtlichen Stadtrat eingereicht. Die Möglichkeiten die ein Denkmal im komplexen Gefüge der Erinnerns hat sind begrenzt. Es war uns wichtig unser Projekt öffentlich zu machen und ein Bewusstsein unter den Böhlener Bürger_innen zu erzeugen, für ein Thema mit dem sich bisher sehr unkritisch auseinandergesetzt wurde.

Das Wandbild in der Ausstellung ist ein weiterer Versuch den komplexen Prozess des Erinnerns sichtbar zu machen. Es kombiniert verschiedene Materialien und Methoden, wie Archivphotos und Fundstücke, die während der einjährigen Arbeitsphase entstanden sind. Es soll Aufschluss über konzeptuelle Denkbewegungen im Rahmen des Projektes geben, ist jedoch nicht im Sinne eines Diagrammes als direkte „Information“ oder „Gegeninformation“ lesbar. Vielmehr werden Strukturen sichtbar gemacht, durch die Fragen aufgeworfen werden, es ist somit mehr offenes Ende als Erkenntniswerkzeug.