2010 | mixed media

Die Arbeit Einpendeln//Auspendeln beschäftigt sich mit der Wandlung, die unser traditioneller Arbeitsbegriff zur Zeit erfährt. Wir bewegen uns weg von der klassischen Lohnarbeit hin zu einer Arbeitslandschaft, die Anpassungsfähigkeit als höchstes Gut ansieht, Fahrtzeiten bis zu 3 Stunden täglich (zusätzlich zur regulären Arbeitszeit) werden als normal angesehen. Damit wird der Begriff Berufspendler zum bitteren Euphemismus, einer Gesellschaft die Flexibilität als Voraussetzung für beruflichen Erfolg ansieht. Das fahrende Volk erlebt in Form von Pendlerströmen eine Renaissance und das Städtische zerklüftet sich zu Halbtags-Geisterstädten.
Das „Auf Montage sein“ steht für ein Leben aus dem Koffer, eine Rückkehr zum Nomadentum auf Basis ökonomischer Notwendigkeiten. Hierfür steht das Zelt als Rudiment einer Behausung, als flexible Zelle, dass einerseits das Wohnen im Normcontainer thematisiert, und andererseits Arbeitnehmer als austauschbare Ware sieht, der sein soziales Netzwerk der eigenen Ökonomie unterordnen muß.

Wo ist die Heimat im Transitleben?
Einpendeln//Auspendeln versteht sich als Spurensuche, einen Prozess der sich für den Betrachter durch „Zu Hause“ und „Auf Arbeit“ manifestiert. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt allerdings im Weg dazwischen. Im Vorfeld der Ausstellung suchte ich über ein Inserat im Internet nach Pendlern, um sie auf ihren Arbeitsweg zu begleiten. Im Zeitraum der Ausstellung, pendelte ich selbst „per Anhalter“ zwischen den beiden Situationen. Ein kleines Igluzelt, hier beginnt die Autobahn, ein Platz an dem Stadt in Transit übergeht. Hinter dieser symbolischen Grenze sieht man keine Menschen mehr, die Umgebung verschwimmt zu einem Band aus Landschaft, welches variabel an einem vorbeizieht, kein Raum mehr, nur noch Fläche zwischen A und B. Vor dem Zelteingang befindet sich ein Paar Arbeitsschuhe und im Gestänge des Vorzelts hängt ein Schild, dass aus einem kleinen Einzelhandelsgeschäft stammen könnte. Auf der einen Seite des Schildes findet sich die Aufschrift „Komme bald wieder“, wenn man es umdreht ist „immer bereit“ zu lesen. Ein Zeugnis vorausgesetzter Bereitwilligkeit, die den Menschen zur Summe seiner Arbeitskraft herabstuft. Ausgehend von dieser Behausung beginnt so eine kurze Autofahrt, deren Intimität ich für ein Interview nutze. Die Fahrt endet für mich am Austellungsort, dort befindet sich das Büro, als Bezug auf die Trennung zwischen Arbeit und Leben. Auf einen Schreibtisch finden sich die entstandenen Interviews zusammen mit dem Text des Inserats. Dieser Prozess aus künstlerischer Arbeit und Dokumentation stellt die Verbindung zur Zeltarbeit her.